LebiDerya

Im Sommer vor zwei Jahren trafen sich in der Orientalischen Musikakademie im Mannheimer Stadtteil Jungbusch vier junge Musiker, um voller Neugier neue musikalische Wege zu erkunden. Die Geschichte des Ensembles LebiDerya war von Anfang an eine Geschichte von Begegnungen. Verschiedene Musikkulturen, Erfahrungswelten und Temperamente kamen zusammen und verschmolzen zu einem neuen musikalischen Ausdruck. Das Ensemble LebiDerya beschreitet  musikalisch einen eigenen Weg, einen Weg zwischen den Kulturen: einen deutsch-türkischen Weg. LebiDerya heißt nicht nur am Rande des Ozeans, sondern bezeichnet auch den Ort, an dem sich Küste und Festland treffen. Sinnlich gesprochen, der Ort des Aufeinandertreffens zweier Lippen, der Kuss. Oder schlicht, der Ort an welchem sich zwei Welten treffen. Der Musiker Muhittin Temel hat häufig von Europa gen Istanbul geblickt. Immer wieder trieb ihn die Sehnsucht nach dem räumlichen und mentalen Gegenüber um. Der Bosporus – eine schmale Seestraße – trennt zwei Kontinente und schlägt gleichzeitig eine Brücke zwischen den Kulturen.

Seit nunmehr 5 Jahren lebt Muhittin im Jungbusch Mannheims. Eine türkisch dominierte Enklave in einer klassischen Arbeiterstadt. Hier kann man nicht an den Problemen vorbeisehen. In dieses Viertel hat der 30 jährige sein profundes Wissen um das Kanun-(orientalische Zither) Spiel hineingetragen. Hier hat er vor 3 Jahren die orientalische Musikakademie mitbegründet. Menschen aller Couleur genießen hier bei Konzerten oder auch im Unterricht einen Einblick in die Klangwelt des Orients. Von dieser Klangwelt fühlte sich zunächst auch der Percussionist Joss Turnbull angezogen. Ein Derwisch seines reichen Instrumentariums aus verschiedensten Trommeln; inzwischen ist er selbst Lehrer an der Orientalischen Musikakademie.

Und so einfach wie das Leben eben auch spielt, lernte man bei einem Tee den Trompeter Johannes Stange und den Saxofonisten Stefan Baumann kennen. Die Neugierde ließ die Vier miteinander musizieren. Und es zeigte sich, dass BuJazzo Trompeten Erfahrung und ausgefeilte Saxofonstudien auf einen reichen  Nährboden fielen. Der Weg zwischen den Kulturen wurde zunehmend ein Gemeinsamer, hier im Jungbusch wuchs eine neuartige Musikkultur zusammen. Und innerhalb dieser darf jeder seine musikalischen Eigenheiten behaupten, der Gesamtklang aber bildet ein weit Größeres. Wer die Zartheit und Kraft des   musikalischen Spiels hört, der wird der Tiefgründigkeit und dem Gehalt des Wortes LebiDerya erneut nachhorchen wollen.

Die Musiker sitzen im Café direkt neben der Orientalischen Musikakademie. Bei einem türkischen Çay Tee sinnieren Sie über die Frage, wie Sie denn ihre Musik beschreiben würden. Sie fallen sich gegenseitig ins Wort. Lachend einigt man sich auf Oriental Jazz mit Einflüssen kammermusikalischer- und folkloristischer Art. Die Welt ist manchmal zu bunt für fest gefügte Kategorien. Dies haben die vier Musiker als Chance begriffen.