Marshall Cooper

Soundtrack des popkulturellen Diesseits

Es ist ein Phänomen, wie es Marshall Cooper mit „Backseat Lover" gelingen konnte, ein Debut-Album aufzunehmen, das eine einzige Huldigung an die globale Popkultur des 20. und 21. Jahrhunderts ist, ohne dass auch nur ein einziger Plattenliebhaber der Welt die Scheibe unter dem Genre Pop einsortieren würde. Grund für diese akustische Täuschung dürfte der wuchtige Brass Band-Sound sein, dem es gelingt ein wildes Knäul aus Genre-Klischees und popkulturellen Sniplets zu einer abwechslungsreichen und völlig neuen Assoziationskette des popkulturellen Diesseits aufzureihen. In dieser Welt der Illusion darf natürlich ein Medium nicht fehlen und so wird die Soundästhetik des analogen Old-School-Kinos zur treibenden Kraft, die es erlaubt, die epische Sprache der Filmmusik in den plakativen Sound einer Brass Band zu transformieren.

Elegant fügt es sich, dass sich unter den 14 Tracks verschiedenste Musikstile finden. Von Swing, Rock n´ Roll, Funk und Pop bis hin zu klassischen Elementen kommt alles in den Filmmusikinkubator, komplettiert und veredelt durch effektvolle und analoge Dialogsamples und eine kleine aber feine Schaar an Gastmusikern.

Herausgekommen ist ein Album voll von Soundtracks, die es nie gab, aber hätte geben müssen und die in jedem Tarantino-Streifen zum Einsatz kommen könnten. Hier und da blitzt sogar ein bisschen verschmitzt der große Ennio Morricone durchs Parkett und macht deutlich welche musikalische Prägung dem ganzen Treiben offensichtlich zugrunde liegt. „Backseat Lover" enthält Stücke, die sich auf so wunderbare Weise selbst persiflieren und trotzdem durch kompositorische Ausdruckskraft und Vielfalt imponieren. Was absurd klingt, ist erfrischend prall, distanzlos und selbstverständlich, aufkommende Sentimentalitäten werden konsequent und ausdrücklich durch feinen Humor, Ironie und pointierten Witz gebrochen. Und so funktioniert die Platte wie eine Melange aus popliterarischer Erzählung und kultiviertem Trashmovie, episodenhaft zusammengefügt in einem Konzeptalbum, das zwar hoffnungslos nostalgisch und trotzdem verflixt modern klingt.

Komponiert und arrangiert wurden die Tracks von Bandleader Manuel Hilleke, dessen cineastische und musikalische Sozialisation mit „Backseat Lover" offenbar lustvollen Ausdruck findet. Dieser Hang zur Liebhaberei übersetzt sich auch im Artwork der Platte. Nicht anders ist es zu erklären, dass jedem Song im Booklet ein aufwendiges Filmplakat zur Seite gestellt wird und musikalischer und haptischer Reiz letztlich eine kongeniale Einheit bilden.