Zurück zum Enthusiasmus - Herzog Records feiert 10 jähriges Jubiläum mit dem Minifestival Viva Altona!

9. Februar 2016 - 9:58 -- Oliver
Kulturnews

Herzog Records feiert am 18. und 19. März mit dem Musikfestival Viva Altona! in der Fabrik nicht nur das zehnjährige Bestehen, sondern einen ganzen Stadtteil.

Rüdiger Herzog im Interview mit Siegfried Bendix von Kulturnews.

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In den Büroräumen von Herzog Records in Ottensen stapeln sich CDs in Regalen. In einer Ecke stehen ein Tisch und ein rotes Sofa, auf dem sich das kleine Team regelmäßig zusammensetzt, um die Herausforderungen eines unabhängigen Labels angesichts einer sich ständig verändernden Branche zu besprechen. Waren es zur Gründung des Labels primär illegale Downloads, die der Musikindustrie Sorgen bereiteten, stehen heute Streamingportale im Zentrum der Debatte. Die Umwälzungen sieht der Labelchef Rüdiger Herzog kritisch, aber differenziert: „Die Erlöse sind bei weitem nicht in dem Umfang, dass davon Label und Künstler leben könnten“, sagt er. „Aus Endverbrauchersicht ist Streaming natürlich ein Segen.“

Ein Segen für Endverbraucher könnte auch das zweitägige Minifestival Viva Altona! werden, das Herzog Records im März erstmals auf die Beine stellen wird, mit vier Bands aus dem eigenen Bestand. Anlass ist der zehnte Jahrestag der Gründung der Plattenfirma. „Ich bin morgens durch Altona gelaufen und sah, wie lebendig das Viertel ist“, erklärt Rüdiger Herzog seine Motivation. „Wenn man hier lebt, verliert man diesen Blick natürlich im Alltäglichen, aber wenn man dann durch diese Straßen läuft und die kulturelle Vielfalt sieht, ist das großartig. Ich möchte den Stadtteil feiern, in dem ich auch ansässig bin.“ Herzog Records

Das Wort Krise lässt sich nicht vermeiden, von Resignation ist bei Herzog aber keine Spur. Sein Antrieb heißt Leidenschaft. Auf seiner Homepage schreibt der Labelchef, er wolle am liebsten einen mit Musik beladenen Handkarren nehmen und einfach auf die Straße ziehen; die Menschen in Gespräche verwickeln, sie fragen, was ihnen Musik bedeute. Das nüchterne Musikgeschäft wieder zu mehr Enthusiasmus führen. Livekonzerte sieht er dabei als Entdeckungsort und Begegnungsstätte, an der die Musik noch ihre wahre Kraft entfalten kann, ungefiltert, direkt, ohne (digitale) Schutzhülle.

Herzogs Musikverständnis mag ein eher altmodisches sein, aber das ist ihm bewusst. Immer wieder fallen Begriffe wie „handgemacht“, doch verdammt er die jüngeren Strömungen und Entwicklungen nicht. Er überlässt sie einfach anderen. Schon in seiner Jugend in einer süddeutschen Kleinstadt wurde er mit Jazz sozialisiert, wenig habe ihn so sehr geprägt wie Konzertbesuche. „Ich habe mich sofort begeistert für diese Musiker, die förmlich vor unserer Haustür gespielt haben, auch wenn ich keine Ahnung hatte, wer die sind.“ Diesen Geist versucht er nun mithilfe der Künstler seines Labels einzufangen, wobei Quantität eine untergeordnete Rolle spielt – maximal sechs Veröffentlichungen gibt es im Jahr. „Das ist aber auch meine Strategie“, betont Herzog, „wir wollen unseren Künstlern das Gefühl geben, dass sie bei uns eine Heimat haben.“

Zum Repertoire gehört der NuJazz der Band Nighthawks ebenso wie die junge Sängerin Miu, die das Genre mit Soul anreichert. Beide treten im Rahmen von Viva Altona! in der traditionsreichen Fabrik auf, deren Ruf weit über die Grenze Hamburgs hinausreicht – hier spielten schon Größen wie Miles Davis, Chet Baker oder Herbie Hancock. „Die Kreuzung, wo die Fabrik sitzt, steht für mich seit jeher sinnbildlich für Hamburg“, sagt Herzog.

Er könne sich vorstellen, das Festival künftig jährlich stattfinden zu lassen, es mit der Zeit sogar auf andere Städte auszuweiten. Doch das hängt natürlich vom Erfolg ab. Wo aber soll das Label sein, wenn 2026 das 20-jährige Jubiläum ansteht? „Dann will ich immer noch hier in Altona sein. Ich hoffe, dass das jetzige Team noch existiert. Und vor allem: dass wir die Musik noch in zehn Jahren gleichermaßen lieben wie jetzt“, sagt Herzog.

„Ich bin guter Dinge“, ergänzt er, „dass uns das auch gelingt.“ Und so bestimmt, wie er das sagt, scheint er wirklich daran zu glauben.

Siegfried Bendix

18. 3. + 19. 3., Viva Altona!, Fabrik (mit Nighthawks, Marshall Cooper, Miu, Jeff Cascaro)