Was kann ein Label mehr leisten, als aufregende Musik anzubieten?
Sebastian Studnitzky
Alben: Studnitzky Trio | EGIS
Sebastian Studnitzky
Trio
VÖ: 01.02.2008
Vertrieb: edel kultur
42601090096 HER
Studnitzky macht einfach nur Musik.
Im heutigen Musik-Business ist die Story bzw. eine hippe Marketing-Idee häufig wichtiger als der Song. Dabei steckt hinter so manchem "Konzept"-Album nicht mehr als eine inhaltsleere Verpackungs- und Verhüllungs-"Kunst". Mehr Christo als Chorus sozusagen. Die Werbung in Amerika hat dafür bereits vor Jahren den passenden Slogan geprägt: "Where's the Beef?"
Kein Wunder also, dass den Trompeter, Pianisten und Keyboarder Sebastian Studnitzky jetzt die Fleisches-Lust gepackt hat. Befreit von allen industriellen Erwartungshaltungen verfolgte er die vermeintlich unzeitgemäße, aber sehr spannende Idee, einfach nur seine Musik aufzunehmen. Unterstützt von zwei Großmeistern der kleinen Form: Wolfgang Haffner und Dieter Ilg, die aus der ersten Liga des europäischen Jazz nicht mehr wegzudenken sind. Mit beiden verbindet Studnitzky nicht nur ein ähnlich weit gefasstes Musikverständnis, sondern eine wahrhaft puristische Freundschaft der Gleichgesinnten und damit genau jenes musikalische Vertrauen, ohne das ein so intimes Bekenntnis-Projekt wie "Trio" undenkbar gewesen wäre.
. "Ich stehe darauf", sagt Sebastian Studnitzky, "wenn alles etwas schlichter daherkommt. Ich finde, man sollte wieder lernen, die Musik und die Musiker sprechen zu lassen und auf das plakativ Spektakuläre zu verzichten." Das muss man sich natürlich leisten können. Dabei ist es hilfreich, wenn man, wie Studnitzky, ein Meister dessen ist, was man mit Feeling oder Färbung bezeichnet. Die lustvoll kreative Suche nach organischen Klangfarben und -mustern hat sein Spiel geprägt, das auf dem Klavier ruhig, ausgewogen und eigentümlich zentriert ist. Es geht hier hörbar mehr um Reduktion bzw. um die Bildung aussagekräftiger Destillate als darum, so viele Noten wie möglich in ein Solo zu pressen. Auch auf der Trompete ist Studnitzkys Ton warm, weich und fließend, also angenehm mellow.
Sebastian Studnitzkys "Trio"-Aufnahmen sind für den Bandleader wie eine Selbstbesinnung und eine kreative Auszeit vom Trubel seiner unzähligen Projekte der letzten Jahre. Denn mit der eigenen, jazzpreisdekorierten Formation Triband, aber auch als profilierter Sideman (Mezzoforte, Rebekka Bakken, Wolfgang Haffner, Nils Landgren u.a.) zählt er inzwischen zu den meistbeschäftigten Jazzern des Landes.
Ach ja: Auch der Umstand, dass Studnitzky für seine neuen Trio-Aufnahmen mit Wolfgang Haffner und Dieter Ilg zwei Weggefährten mit ins Boot geholt hat, deren Namen im europäischen Jazz einen Klang wie Donnerhall haben, ist keine Marketing-Story, sondern reiner Inhalt: "Für mich war einfach keine Konstellation denkbar, in der meine Musik besser hätte gespielt werden können." Eine Aussage, die sich im Hören immer wieder bestätigt. So liegt der Zauber dieser so selbstbewusst diskreten Aufnahme nicht zuletzt darin, dass man beim Hören der acht Stücke meinen könnte, nichts sei so einfach wie gute Musik zu machen.
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